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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 DHM Deutsche historische Motorradmeisterschaft
Motorsportler Offline

Schrauber


Beiträge: 984

01.12.2011 20:52
Originalrennmaschinen, Repliken und Basteleien antworten

Der VFV ist schon seit Jahrzehnten mit der Problematik von Repliken historischer Rennmaschinen, sowie von Basteleien welche von ihren Besitzern „Replika“ genannt werden, befasst. Um hier für Ordnung zu sorgen ist es erstmal wichtig, den Begriff „Replika“ zu erläutern. „Replika“ nannten in den 20er und 30er Jahren englische Motorradhersteller in den Verkauf gebrachte Rennmaschinen, welche exakt die Spezifikationen der Werksrennmaschinen des Vorjahres aufwiesen, etwa eine „Scott TT-Replika“. In den folgenden Jahrzehnten verschwand dieser Begriff und erlangte erst wieder Bedeutung, als im Zuge der Ersatzteilbeschaffung von bestehenden historischen Rennmotorrädern eine exakt dem Original entsprechende Nachfertigung solcher Teile erfolgte. Dies gipfelte in der Nachfertigung aller Teile eines solchen Motorrades, was letztendlich zu „Repliken“, also exakten Nachbauten von kompletten Rennmaschinen führte. Als Beispiel seien hier Norton Manx oder Matchless G 50 genannt. Eine „Replika“ ist somit vom Original nur durch die fehlenden originalen Motor- und Fahrgestellnummern zu unterscheiden. Diese Repliken werden vom VFV in gleicher Weise akzeptiert wie Originale. Nun sind aber solche Repliken nicht gerade billig zu haben, sie liegen beim Kaufpreis oft auf gleicher Höhe wie Originale und können im Falle von Exoten auch sehr teuer werden. Das geht hin bis zur 250er Benelli, der 3-Zylinder MV oder gar der 6-Zylinder Honda, die alle im 6-stelligen Eurobereich liegen und somit für den Normalverbraucher nicht erschwinglich sind. Aber so ist das nun mal mit allen Träumen, von der Blauen Mauritius bis hin zur Hochseeyacht. Man sollte lernen, damit zu leben.
Nun sind aber nicht alle angebotenen Repliken hundertprozentige Nachbauten der Originale, da viele Replikabauer bewusst Verbesserungen in Ihre Maschinen einfließen lassen, wie etwa moderne Zündanlagen, verstärkte Gehäuse oder stehfestere Innereien. Solche nicht ins Auge fallenden „Verbesserungen“ stehen beim VFV einer Anerkennung als „Replika“ nicht im Wege. Schwieriger wird es aber, wenn Repliken von Rennmaschinen aufgebaut werden, die in wesentlichen Bauteilen mit einem biederen Serienmotorrad identisch sind, so etwa bei der NSU Sportmax oder der Aermacchi Ala d’Oro. Da wird dann aus Kostengründen beim Aufbau oft auf bestimmte teure Nachbauteile der Rennausführung verzichtet und auf billigere Serienteile zurückgegriffen. In vielen Fällen kann dann nicht mehr von einer „Replika“ gesprochen werden, es handelt sich dann um einen „Serienmaschinenumbau“, welcher beim VFV meist den „Clubsportklassen“ zugeordnet wird. Hier die Grenze zu ziehen ist von Fall zu Fall eine schwierige Aufgabe.
Von der Einordnung her einfacher, aber für den Historiker ärgerlich, sind Bastelmotorräder welche von ihren Erbauern „Replika“ genannt werden, ohne dass sie die dazu notwendigen Anforderungen erfüllen. Zwar lächeln die fachkundigen Zuschauer darob nur milde, aber die weniger fachkundigen Zuschauer werden angeschmiert und die Historie wird vorsätzlich verbogen. Dabei handelt es sich meist um biedere Serienmotorräder von berühmten Rennmaschinenherstellern, wie etwa MV Agusta oder Benelli, welche optisch auf die unerreichbaren Werksmaschinen getrimmt und von ihren Besitzern als „Ago-Replika“ oder „Paso-Replika“ deklariert werden. Aber auch dies gibt beim VFV so lange kein Problem, wie diese Bastelmotorräder von der Bausubstanz her in das historische Raster der „Clubsportmotorräder“ passen, also in die Zeit bis 1983. Sie werden dabei natürlich nicht als „Replika“ geführt. Werden aber wesentliche Bauteile – etwa der Motor – von einem moderneren Motorrad übernommen, sind diese Motorräder im Rahmen der historischen Veranstaltungen des VFV nicht startberechtigt, da sie aufgrund ihrer Bausubstanz aus dem historischen Raster der VFV-Regularien herausfallen.
Hier sei das Beispiel der sogenannten „Honda RC 163-Replikas“ genannt, wobei der Begriff „Replika“ in diesem Fall völlig unangebracht ist. Dabei handelt es sich um ein Fahrwerk, welches dem RC 163 Fahrwerk ähnelt, in dem aber ein moderner wassergekühlter Honda-Motor eingebaut ist. Damit fällt das Motorrad natürlich aus dem historischen Raster heraus.
Urheber dieser Bastelei war einst Luigi Taveri, der seinen originalen Motor schonen wollte und solch einen modernen Motor in seine RC 163 für Präsentationsfahrten einbaute. Dabei ging es aber nicht um die Präsentation des Motorrades, sondern um die Präsentation des dreimaligen Weltmeisters, weswegen die Veranstalter ein Auge zudrückten. Als dann Bruno Kneubühler mit einem gleichen Motorrad als komplettem Nachbau aufkreuzte und auch Walter Villa in seine Benelli einen Kawasaki Motor einpflanzte, hörte der Spaß aber auf.
Ähnlich lief es mit der sogenannten „Honda RC 181 Replika“, bei welcher der Motor der ab 1983 erschienen Honda CBX 550 zum Einsatz kam. Dieses Motorrad ist natürlich auch keine Replika der Honda-Werksrennmaschine, sondern ein frei erstelltes Motorrad, welches mit Baujahr 1983 (wegen dem Motor) bis einschließlich 2009 beim VFV nicht startberechtigt war. Seit 2010 kann dieses Motorrad aber regulär in der nun bis 1983 erweiterten Clubsportklasse starten, aber natürlich nicht in der Classic-Klasse wo die originale RC 181 startberechtigt wäre. Sport mit historischen Rennmotorrädern oder auch nur die Präsentation solcher Motorräder ist nun mal keine Spielwiese für moderne Basteleien, sondern soll der korrekten Darstellung der Historie dienen.

Zusammengefasst lautet der Standpunkt des VFV wie folgt:
Der VFV bietet Fahrmöglichkeiten mit historischen Rennmotorrädern, wobei original erhaltene Rennmotorräder aus alter Zeit, seien es Werksmaschinen, Serienrennmaschinen oder Eigenbaurennmaschinen die erste Wahl sind. Ebenso erwünscht sind auch Repliken von Werksrennmaschinen oder Serienrennmaschinen, aber nur im Ausnahmefall Repliken von Eigenbaurennmaschinen. Auch im Rahmen des VFV-Reglements erstellte Bastelmotorräder werden akzeptiert, wenn das Erscheinungsbild und die Bauteile historisch sind, das Motorrad also einer historischen Bauperiode zugeordnet werden kann. Bei einer historischen Veranstaltung haben aber Basteleien – auch wenn sie wunderschön ausgeführt sind – keine Startberechtigung, wenn dominierende Bauteile - wie etwa der Motor - nicht aus der zugelassenen historischen Periode stammen.

Manfred Woll, 14.9.2011

mit sportlichen Grüßen

Stephan Otto

DKW-Hans Offline

Schrauber


Beiträge: 226

02.12.2011 08:43
#2 RE: Originalrennmaschinen, Repliken und Basteleien antworten

Das ist doch eine klare Aussage womit wir alle leben können (sollten) und damit die endlosen Diskussionen über historisch, original, Werksrenner usw oder nicht ein Ende haben (sollten).

...am Draht ziehen und Spaß haben
DKW-Hans

8-Valve Offline

Profi


Beiträge: 2.679

07.12.2011 06:40
#3 RE: Originalrennmaschinen, Repliken und Basteleien antworten

Manfred,Danke für die ausführliche Info
Harry

 Sprung  

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